Raphael Bachmann im Exklusiv-Interview

Raphael und Matthias Bachmann wuchsen gemeinsam in der elterlichen Quartierbäckerei zwischen Mehlsäcken und Backformen auf. Beide erlernten den Beruf von der Pike auf. Jahrelang trennten sich ihre Wege während der beruflichen Ausbildung und Wanderschaft. Als krönenden Abschluss dieser Zeit verbrachten sie ein Jahr gemeinsam in Japan, bevor sie im Jahr 1997 zusammen im elterlichen Betrieb einstiegen. Seither hat sich viel verändert – die 4. Generation hat Bachmann gross gemacht.

Herr Bachmann, Sie und Ihr Bruder transformierten das Unternehmen von einem kleinen klassischen Confiserie-Betrieb in ein grosses Unternehmen mit vielen Filialen und Gastro-Betrieben. Was sind Ihre Visionen für die kommenden 10 Jahre?

Wir haben prinzipiell eigentlich nur eine Vision: Wir möchten immer noch bessere Produkte machen und stets mit Herzblut an unseren Produkten arbeiten. Zudem möchten wir auch unserem Personal etwas bieten, man soll sich in unserem Unternehmen weiterentwickeln können. Es ist uns auch wichtig, dass wir immer ein Familienunternehmen bleiben. Und nicht die Grösse und das Wachstum ist entscheidend, sondern die Qualität, stetige Weiterentwicklung und immer das Ziel vor Augen, den Kunden etwas Einzigartiges zu einem fairen Preis anzubieten zu können!

125 Jahre Bachmann, was machen Sie besser als Ihre Mitbewerber?

Das müsste man eigentlich unsere Kunden fragen, denn es werden jedes Jahr mehr (lacht). Wir machen es aus herzhafter Leidenschaft. Ob wir aber wirklich sonst etwas besser machen als die Konkurrenz, möchte ich mir nicht anmassen, denn auch wir kochen nur mit Wasser. Aber sicher haben wir eine enorm grosse Portion Leidenschaft in jedem unserer Produkte drin. Ganz wichtig ist, dass man nur gute Produkte herstellen kann, wenn man auch gute Rohmaterialien einsetzt und dafür braucht es gute Fachkräfte die wissen was wo eingesetzt werden muss. Auch Frische ist entscheidend! Der Kunde ist nur bereit einen Mehrwert zu bezahlen, wenn er die Frische auch selber schmeckt.

Mehr als 500 Personen arbeiten im Unternehmen, wie ist Ihre Führungskultur?

Wir haben eine sehr familiäre Firmenkultur und möchten nahe bei den Mitarbeitenden sein. Klar, je grösser das Unternehmen wird, desto schwieriger ist das in der Praxis umzusetzen. Aber da machen wir uns stets intensive Gedanken wie wir dies noch besser pflegen können. Und dabei hilft uns vor allem auch die Digitalisierung, damit wir uns mehr austauschen können. Aber die Herausforderung ist gross, eine flache Organisation halten zu können. Doch zugleich ist es auch sehr spannend.

Bei Ihnen arbeiten Menschen aus verschiedenen Kulturen, sorgt das auch für Konfliktpotential?

In unserem Unternehmen arbeiten Menschen aus 34 Nationen miteinander, trotzdem haben sehr wenig Probleme. Wir versuchen unseren Mitarbeitern immer zu erklären, dass egal auf welcher Ebene jemand arbeitet, alle Personen respektvoll auf gleicher Augenhöhen behandelt werden müssen. Nicht jede oder jeder versteht das gleiche unter Dienstleistung, doch wir möchten unseren Kunden die beste Dienstleistung bieten – dafür geben wir alles! Und selbst wenn jemand ein differenzierte Meinung zu einem Thema hat, man soll es immer ausdiskutieren können. Wichtig ist, dass wir weiterhin eine klare Kommunikationskultur leben und jeder Kultur auch eine Stimme geben – ein Problem soll immer mit einem 4- oder 6-Augengespräch gelöst werden können. Da reicht eine E-Mail nicht, es braucht den persönlichen Kontakt.

Bachmann ist bekannt für Trends, wo holen Sie die Inspiration für neue Trends und was kommt Neues von Bachmann?

Wir holen unsere Inspiration natürlich nicht nur in der Schweiz, wir blicken über die Grenzen hinaus und zudem sind wir natürlich auch selber sehr kreativ. Viele Sachen kommen beispielsweise auch vom Internet, jemand fängt mit etwas an und plötzlich entsteht ein viraler Trend und möglicherweise sogar ein Produkt. Aber schlussendlich muss man dieses Produkt dann ja auch noch entwickeln. Ich glaube gerade da ist unsere Stärke, dass wir es bezahlbar umsetzen können und es trotzdem noch etwas spezielles ist. Man muss immer die Augen für neue Innovationen offen haben, aber dennoch soll auch der Spass im Vordergrund stehen damit man etwas Neues entwickeln kann. Cool ist, dass viele unserer Mitarbeiter sehr hungrig danach sind!

Stimmt es, dass ist dafür extra ein Entwicklungsteam haben?

Ja, es sind dafür konstant 1,5 – 2 Stellen im Einsatz. Dies sind vor allem Impulsgeber die immer wieder aufrütteln und uns aufzeigen, wo man sich entwickeln kann oder muss. Und auf der anderen Seite bringen diese Personen auch etwas quer ein: Sie informieren sich im Netz, auf Socialmedia, auf Messen oder im Ausland zum Beispiel in London. Das ist wirklich sehr wichtig für unser Unternehmen.

Sie legen grossen Wert auf die Regionalität der Rohmaterialien, wie machen Sie das?

Genau, mit gewissen Partnerschaften arbeiten wir seit Jahrzehnten zusammen. Das ist kein Lieferanten-Kunden-Verhältnis, sondern ist eine Partnerschaft. Das fängt bei Fleisch an, denn da ist es eine wichtige Vertrauenssache. Wir belegen ein Sandwich nur mit Fleisch welches wir auch selber mit Genuss essen. Darüber gibt es zwar viele Diskussionen, denn es gibt Leute die sagen, in ein Sandwich müsse nicht der teuerste Schinken. Denn viele denken, wer öffnet schon das Sandwich und guckt rein? Das sehe ich anders, ich öffne jedes Sandwich und setzte in erster Linie auf Spitzenqualität welche ich selber esse. Was nicht Topqualität ist, gehört nicht in ein Sandwich. Dort wo wir Regionalität leben können, leben wir sie. Leider ist es zum Teil auch schwierig, zum Beispiel bei der Kakaobohne ist es unmöglich. Dort versuchen wir dann halt über unsere Stiftung die Verbindung in diese Länder zu haben.

Und wie wichtig ist für Sie Nachhaltigkeit bezüglich Verpackung und z.B. Becher?

Das ist und wird immer wichtiger, ein Thema das uns seit Jahren enorm beschäftigt. Es gibt auch da immer wieder Trends und wenn man dann wirklich dahinter blickt, muss man sich leider vor Augen führen, dass es nicht so nachhaltig ist wie man anfangs dachte. Ein Beispiel: Anstelle von PET setzten unsere Mitbewerber ein 100% natürliches Material ein. Ich fand dann heraus, dass dieses neue Trend-Produkt von Amerika nach China verschifft wird, in China wird es dann zur Form verarbeitet und danach von China in die Schweiz exportiert. Dann fragt man sich dann schon ob das wirklich nachhaltiger ist. Klar, das Produkt selber ist schon nachhaltig, doch aufgrund der Transportwege stimmt die Ökobilanz dann eben nicht mehr. Das ist manchmal echt die Schwierigkeit das die Konsumenten es verstehen, dass eben nicht immer alles nachhaltig ist obwohl es auf der Etikette steht. Hier versuchen wir als Familienbetrieb sehr ausgewogen zu evaluieren und zu entscheiden was wir wirklich anbieten.

Welches sind die Dauerrenner von Bachmann?

In erster Linie sind es die Schutzengeli, die gibt es schon 11 Jahre und das ist ein Produkt welches sich wahnsinnig entwickelt hat. Wir sind natürlich aber auch für unser Brot mit den vielen verschiedenen Sorten bekannt, für unsere Schokolade und auch die Pralinés wie der Wasserturm Stein welcher ein sehr bekannter Brand geworden ist. Wir versuchen stets mit unseren Marken den Kunden einen Mehrwert zu bieten. Qualitativ muss es top sein und auch visuell immer sehr speziell.

Vor vier Jahren eröffneten Sie ein Betrieb an der Bahnhofstrasse in Zürich – hat sich dieser Schritt gelohnt?

Der Zürcher Markt bietet für uns enormes Potential. Wir haben uns diesen Expansionsschritt sehr lange überlegt, aber mein Bruder und ich waren damals inmitten unserer Geschäftstätigkeit in der 4. Generation und daher haben wir es gewagt. Mein Bruder und ich sind ja auch Konditoren, Confiseur und Chocolatiers, diesen Beruf haben wir von der Pike auf gelernt und daher haben wir immer Chancen gepackt wenn wir diese gesehen oder erahnt haben. Zürich hilft uns, dass wir unser Unternehmen in dieser globalen Welt weiterentwickeln können und dass wir uns auch in Zukunft gegenüber den Grossverteilern profilieren können – die drängen immer mehr in den Markt.

Wie wurde Bachmann in Zürich aufgenommen?

Erstaunlich gut! Als Luzerner hat man da wohl einen Innerschweizer-Bonus. Wir haben uns 3 bis 4 Jahre Aufbauzeit gegeben, doch schon bereits nach 2,5 Jahren ging es richtig ab. Dann kam die Pandemie, die einen Dämpfer gab, aber wir sind bereits wieder zurück auf Kurs. Noch fehlen zwar die die Touristen, doch zum Glück können wir auch ohne sie erfolgreich in Zürich arbeiten. Die Touristen schätzen unsere Chocoaltierkunst sehr und wir sind sehr glücklich haben wir den Schritt nach Zürich gewagt.

Expandieren Sie bald noch in andere Schweizer Städte?

Zur Zeit ist gar nichts in diese Richtung geplant. Wir sind so stark gewachsen in den letzten Jahren und möchten nun mal kurz innehalten und unsere Strukturen den Verhältnissen anpassen. Zudem müssen wir auch viele Aufgaben welche die Pandemie mit sich brachte bewältigen. Es gibt also viele Hausaufgaben zu machen. Aber klar, wenn wir irgendwo eine Chance sehen, dann nutzen wir sie. Doch andere Städte wie Bern oder Basel sind wirklich momentan kein Thema.

Auch Online ist Bachmann z.B. mit Torten stark vertreten, wie wollen Sie digital am Ball bleiben?

Online und Retail wird künftig komplett verschmelzen. Es gibt z.B. Bestellungen online und holen es dann im Laden ab oder sie bestellen im Bus und holen es beim Vorbeigehen am Bahnhof ab. Da kommt eine grosse Welle auf uns zu und es ist unumgänglich das wir uns diesen neuen Möglichkeiten widmen und sie unseren Kunden anbieten. Natürlich müssen wir auch unsere Ladenkonzepte diesem Trend anpassen – der Kunde will immer schneller bedient werden und überall einkaufen. Das ist herausfordern aber sehr spannend.

Sie sind ein grosser FC Luzern Fan – warum?

FCL bedeutet für mich Heimat und es weckt in mir ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Ich spiele und sehe sehr gerne Fussball. In der Zentralschweiz ist das der grösste Sportverein und man unterschätzt oft was der FCL für eine Wirtschaftskraft hat und verursachen kann. Man sah das beim letzten Cupsieg vor einem Jahr, denn schlussendlich können auch viele Unternehmen profitieren wenn der FCL Erfolg hat. Man muss einander helfen und pushen, das ist doch toll für unsere Region! Hopp Lozärn!

Wie wichtig ist für Sie Familie?

Familie ist das A und O. Sehr wichtig, es gibt einem Geborgenheit und Kraft. Es ist toll eine Familie zu haben und dabei zu wissen, dass man sich immer aufeinander verlassen kann.

Sie arbeiten sehr viel, wie und wo tanken Sie Kraft?

Natürlich sehr viel in der Familie. Aber ich kann auch im Geschäft gut auftanken. Wenn ich mich mit meinen Mitarbeiter austausche, tut mir das auch gut. Das ist auch im gewissen Sinne meine erweiterte Familie.

Was ist Ihr Lebensmotto?

Es ist immer schwer, bevor es leicht wird. Stay cool!

 

Weitere Standorte:

Luzern: Schwanenplatz mit Café, Tribschenstadt mit Café, Kantonalbank, Bahnhof Luzern, La vie en rose® mit Café, Alpenstrasse 9, Gelateria am Quai, Rössligasse 17,

Ebikon: Mall Of Switzerland mit Café

Kriens: Pilatusmarkt mit Café

Emmenbrücke: Emmen Center mit Café

Stans: Länderpark mit Café

Zug: Metalli / Zugerland mit Café

Steinhausen: Zugerland mit Café

Zürich: Sihlcity, Zürich Bahnhofstrasse mit Café

Spreitenbach: Shoppi Tivoli

Sursee: Surseepark mit Café